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Haus des Gastes

Das heutige Haus des Gastes in Germete ist in den 50er-Jahren als Volksschule gebaut worden. Seither hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Mitte der 1950er Jahre gab es nämlich in Germete ein Problem: Es fuhren immer mehr Autos, und auch in der Landwirtschaft hielt die Motorisierung Einzug. Das führte aber dazu, dass ein geordneter Unterricht in den beiden Schulen (getrennt für Mädchen und Jungen) rund um die Kirche nicht mehr möglich war. Es war oft zu laut, außerdem setzte das Fehlen eines Pausenhofes die Schulkinder immer größeren Gefahren aus.

Da die bisherigen Schulräume zudem den modernen Anforderungen nicht mehr entsprachen, beschloss die Gemeindevertretung am 8. Februar 1956 den Bau einer neuen Volksschule. Nach längeren Überlegungen über die Platzfrage erwarb die Gemeinde vom Bauern Kalthoff ein geeignetes Grundstück an der heutigen Nikolausstraße.

Den Architekten Rose und Lessmann in Warburg wurden der Entwurf der Schule und die Bauleitung übertragen. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 250.000 DM was einem heuten Kaufwert von knapp 500.000 € entspricht. Die Regierung in Detmold erklärte sich bereit, 60 Prozent der Baukosten zu übernehmen, die restlichen 40 Prozent entfielen auf den Kreis und die Gemeinde.

So sahen Schule (rechts) und Lehrerhaus (links) kurz nach der Fertigstellung im Jahr 1959 aus.

Die Bauarbeiten begannen im März 1958. Ausführende Unternehmen waren die Firma Siewert & Jacobs aus Warburg und Josef Waldeier aus Germete. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 9. Juni 1958 statt. Nach einjähriger Bauzeit waren Schule und das Lehrerwohnhaus in direkter Nachbarschaft fertiggestellt.

Die Einweihung der neuen Schule fand an 30. April 1959 durch den Pfarrer Schirk in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens und vieler Gemeindemitglieder statt. Lieder und Gedichte der Schulkinder verschönten diese denkwürdige Feier.

Nun besaß die Gemeinde Germete eine moderne Volksschule in ruhiger Lage mit zwei Klassenräumen, einen Gymnastikraum und einer Pausenhalle. Auch das der Schule gegenüberliegende Lehrerwohnhaus mit je einer Wohnung für den Lehrer und die Lehrerin konnten bei der Fertigstellung der Schule seiner Bestimmung übergeben werden. Die alten Schulgebäude, die die Gemeinde zur Finanzierung des Neubaus mit eingesetzt hatte, gingen in Privatbesitz über.

1968 vollzog sich eine Reform des Schulwesens. In Nordrhein-Westfalen wurde die Volksschule aufgelöst, ihre ersten vier Klassen bildeten nun eine „Grundschule“, die Klassen fünf bis neun eine „Hauptschule“. Ab 1970 mit Beginn des Schuljahres gingen die älteren Germeter Kinder, die Hauptschüler, nach Warburg. Dort wurde ein neues Schulzentrum erbaut (Bezug 1974/75). Die Grundschule in Germete existiert aber noch weiter.

Die Germeter Volksschule zierte in den 1960er Jahren ein Fesko. Es wurde bei der Umgestaltung zum Haus des Gastes in den 1980er Jahren entfernt.

1973 wurden die Grundschüler aus Germete und Welda in Jahrgangsklassen in Germete und Welda unterrichtet. 1980 wurde die Germeter Schule aber nach nur 22 Jahren in seiner ursprünglichen Nutzung endgültig geschlossen. Die Erst- und Zweitklässler wurden nur noch in Welda beschult, die Dritt- und Viertklässler gingen nach Warburg. Doch auch die Schule in Welda wurde einige Jahre später geschlossen.

Das alles war aber nicht das Ende des Germeter Schulgebäudes: Anfang der 80er Jahre wurde die nun ehemalige Schule grundsaniert. Hintergrund war der aufstrebende Tourismus im Ort, ein „Haus des Gastes“ entstand. Die Klassenräume wurden zu Versammlungsräumen umgebaut, eine voll ausgestattete Küche mit Geschirr schloss sich an die Versammlungsräume an.

Nun trafen sich die Senioren des Ortes dort regelmäßig zum Schnuddelnachmittag, Kommunion- und Firmgruppen zu ihren Gruppenstunden. Auch Theatervorführungen fanden statt. Im Erdgeschoss gab es ein Büro, in dem Fragen von Gästen des Ortes oder der Stadt Warburg beantwortet wurden. Auch die immer größer werdenden Familienfeiern wie runde Geburtstage und Hochzeiten wurden gerne im Haus des Gastes gefeiert.

Mieter der ersten Stunde nach dem Umbau war und ist bis heute der Musikverein Germete. Er zog in das Dachgeschoss ein und baute es zu einem Übungsraum aus. Bis heute hält auch der Schützenverein dort einmal im Jahr seine Jahreshauptversammlung ab. Ebenso zuletzt auch der Reiterverein St. Georg Diemeltal. Schiedsrichterkurse wurden dort in den Abendstunden abgehalten, genau wie Anfang der 90er Jahre Sprachkurse für Russlanddeutsche.

Zur Jahrtausendwende wurde es aber immer ruhiger im Haus des Gastes. Neue Veranstaltungsräume- und Konzepte in den Gaststätten in und um Germete und auch die Renovierung der Schützenhalle sorgten für eine räumliche Konkurrenz. Hinzu kam, dass in das Gebäude kaum noch investiert wurde. Viele beklagen das alte Mobiliar und die fehlende Infrastruktur im Haus des Gastes.

Derzeit wird das Haus noch vom Musikverein, die Turnhalle vom Sportverein ETSG Germete und vom Kindergarten St. Michael sowie die Großräume für wenige Versammlungen und politische Veranstaltungen genutzt. Das Haus des Gastes fristet ein Schattendasein.

Doch das soll sich möglichst bald ändern: 2020 hat sich eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich aus Germeter Bürgern zusammensetzt und die mit Ideen versucht, neuen Schwung ins Haus des Gastes zu bekommen. So soll das Gebäude als Begegnungsstätte für Jung und Alt umgestalten werden, ein offenes Dorfarchiv soll Einzug halten, auch das Heimatmuseum soll aus dem Kurpark ins Haus des Gastes umziehen und die Versammlungsräume sollen neugestaltet werden.  Dieses Nutzungskonzept wird derzeit auch finanziell kalkuliert.

Eines steht wohl fest: Der Namen „Haus des Gastes“ dürfte dann Geschichte sein und gegen „Haus der Begegnung Germete“ ersetzt werden. Aber noch ist nichts entschieden…

Adresse

Haus des Gastes, Nikolausstr. 17, 34414 Warburg

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